Der 1. Mai in Hamburg PDF Drucken E-Mail
Freitag, den 06. Mai 2011 um 10:11 Uhr

Auch in Hamburg fanden in diesem Jahr diverse Aktivitäten zum 1. Mai statt. Dadurch, dass in Hamburg mehrere Organisationen am bundesweiten 3A-Bündnis beteiligt sind, fand auch hier die Mobilisierung unter dem Motto „Klasse gegen Klasse“ statt.

Mobilisierung

Um für die Aktivitäten zu werben, wurden diesmal 5.000 Plakate und über 10.000 Aufkleber im ganzen Stadtgebiet verteilt und verklebt, die durch eine große Tapete an der Feldstraße ergänzt wurden. Außerdem haben wir als SoL-Hamburg eine erste Ausgabe der „Hamburger Wandzeitung“ herausgebracht, die neben dem 1. Mai auch andere aktuelle Themen zum Inhalt hat. Zusätzlich fanden noch mehrere inhaltliche Veranstaltungen im Vorfeld mit Bezug auf den 1. Mai statt. Die Mobilisierung ist auf jeden Fall wie erwartet und erfolgreich verlaufen.

Klassenkämpferischer Block auf DGB-Demo

Als erste Aktivität des revolutionären Bündnisses stand dann am Vormittag des 1. Mai die traditionelle Demonstration des DGB an. Auf dieser sollte ein klassenkämpferischer und internationalistischer Block organisiert werden. Als Block und Lautsprecherwagen sich jedoch in die Demo einreihen wollten, kam es zu einem Angriff durch einen übermotivierten DGB-Jugend-Funktionär, der wohl die Teilnahme verhindern oder den Block zumindest ans Ende der Demo verbannen wollte. Beides konnte durch entschlossenes und besonnenes Handeln verhindert werden. Damit lief der Block erstmals nicht ganz hinten in der Demo.

Der Block konnte mit diesmal rund 600 Teilnehmern noch einmal im Vergleich zum letzten Jahr zulegen. Erfreulich war auch dieses Mal die hohe Beteiligung migrantischer Organisationen und GenossInnen. Durch vielfältige Transparente und Parolen konnte auf der DGB-Demo eine klare klassenkämpferische Position vermittelt werden, auch wenn der Lautsprechwagen und dementsprechend viele Redebeiträge aufgrund technischer Probleme leider ausfielen. Als fader Beigeschmack bleibt, dass der Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz anscheinend völlig ungehindert an dieser Demonstration teilnehmen konnte. Ansonsten lässt sich eine durchaus positive Bilanz dieser ersten Etappe am 1. Mai ziehen.

18 Uhr: Die Revolutionäre Demo

Um 18 Uhr stand dann die mit Spannung erwartete Revolutionäre 1. Mai Demonstration an. Rund 2500 Menschen hatten sich zu Beginn der Demonstration in Altona zusammengefunden. Wenn man bedenkt, dass es Sonntagabend war und am Vortag bereits die große Demo gegen Umstrukturierung stattgefunden hatte, eine durchaus erfreuliche Anzahl. Und auch hier ist noch mal eine deutliche Steigerung zum Vorjahr in der TeilnehmerInnenzahl erreicht worden. Was aber auffiel, wenn man den Auftaktort erreichte, war vor allem das riesige Polizeiaufgebot. Anscheinend wollte man die Zügel, die am Vortag etwas lockerer gelassen wurden, jetzt doch ordentlich anziehen. Von Beginn an wurde um die Demonstration ein mehrfaches Spalier gezogen.

Neben den Hamburger Bullen waren auch die notorischen Hooligans vom USK aus Bayern erschienen. Von diesen ging auch ein großer Teil der völlig unbegründeten Angriffe auf die Demonstration aus. Angesichts permanenter Stopps und brutaler Übergriffe durch die Polizei sank die anfänglich gute Stimmung schnell. So konnte die Demonstration ihren Zweck, revolutionäre Inhalte auf die Straße zu tragen, nicht erfüllen. Ab einem bestimmten Zeitpunkt verließen aufgrund der Repression immer mehr TeilnehmerInnen die Demonstration, was durchaus verständlich ist. Die Teilnehmerzahl sank zum Ende hin doch beträchtlich. Am Anfang konnte die Demonstration noch gegen die Übergriffe verteidigt werden, kurz vor der Auflösung jedoch prügelte sich das USK einmal quer durch den vorderen Block. Angesichts dieser Zustände hat sich die Demonstrationsleitung dann gezwungen gesehen, die Demonstration vorzeitig aufzulösen. Während der Demonstration wurden diverse Menschen schwer verletzt, unter anderem verlor einE TeilnehmerIn mehrere Zähne.

Im Anschluss an die Demonstration kam es noch zu kleineren Auseinandersetzungen mit der Staatsmacht in der Schanze, die aber weit hinter dem blieben, was im letzten Jahr passiert war. Angesichts der massiven Repression, ist das nicht unbedingt ein erfreulicher Umstand.

Insgesamt kann man die revolutionäre Demonstration nicht als vollen Erfolg werten. Auch wenn TeilnehmerInnenzahl und der durch Reden, Flyer, Transparente usw. verbreitete Inhalt eine Steigerung zum Vorjahr waren, konnte keine angemessene Antwort auf die Polizeirepression gefunden werden. So konnte man die Inhalte nur über Berichte in der Presse, nicht aber durch die Demonstration an die Bevölkerung bringen. Eine solche Demonstration aufgrund der Polizeirepression nicht zu laufen, kommt aus politischen Gründen nicht in Frage. Dennoch muss man sich Gedanken machen, wie man in Hamburg in Zukunft mit solchen Zuständen umgeht. Dabei ist sicherlich einiges an Kreativität gefragt.

 
 

Broschüren

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